Die 20er: Älter wird man von allein – erwachsen nicht immer

Irgendwie dachte ich früher immer, Leute in meinem Alter hätten das Leben fest im Griff: Finanzen geregelt, klare Ziele und einen Plan fürs Leben. Heute weiß ich, dass diese Sache mit „Dingen im Griff haben“ schwerer ist als gedacht. Wir sind alle auf der Suche nach Antworten, deren Fragen wir hoffnungsvoll bei Google eingeben. Schon traurig, dass man auf die einfachsten Fragen eine Suchmaschine um Rat fragt und darauf hofft, dass diese etwas Brauchbares ausspuckt.

Volljährigkeit: 18 ist nur eine Zahl

Klar ist, dass wir nicht automatisch erwachsen werden, wenn wir 18 Kerzen auf der Geburtstagstorte auspusten. Es kann zwar augenscheinlich den Eindruck erwecken, da der 18. Geburtstag viele Freiheiten mit sich bringt. Mit Ende 20 kann ich behaupten, dass Erwachsenwerden ein längerer Prozess zu sein scheint. Mit Mitte oder Ende 20 resümiert man zum ersten Mal das eigene Leben. Habe ich den richtigen Weg, den richtigen Job oder den richtigen Partner bzw. die richtige Partnerin gewählt? Es wird alles auf den Prüfstand gestellt und auch die eigene Person kritisch betrachtet. Wir reflektieren unseren Weg, betrachten unsere Wünsche, Träume und Sehnsüchte und setzen alles auf eine Rechnung und schauen, was dabei unter dem Strich herauskommt.

Kurzer Rückblick ins Jahr 2017

Es war im September 2017, als ich meinen ersten Job antrat und ich das erste Mal Gefühl verspürte „erwachsen“ zu sein. Ich zog in meine erste eigene Wohnung und bezog ein Einkommen, durch welches es mir auch erstmalig möglich war, mein Leben zu finanzieren. Die finanzielle Unabhängigkeit und die damit verbundene Verantwortung lernte ich zu lieben und zu schätzen.

Ich würde behaupten, dass ich einen linearen Berufsweg beschritten habe und mich plötzlich in meinen Mittzwanzigern gefragt habe, wo die Reise denn zukünftig hingehen soll. Nachdem ich einige Wochen oder sogar Monate gegrübelt habe, entschied ich mich dafür, meine Zwanziger nicht an mir vorbeiziehen zu lassen. Ich war noch nicht bereit Wurzeln zu schlagen oder meine Luftschlösser platzen zu lassen. Ich wollte noch einmal reisen gehen, in einem Startup arbeiten, mehr über die Themenbereiche Entrepreneurship und Innovationsmanagement erfahren und bereichernde und inspirierende Gespräche mit Menschen führen. Dies blieb mir in meinem Job oder sozialen Umfeld zwar nicht verwehrt, aber ich hatte das Gefühl, dass ich noch einmal ausbrechen und etwas anderes erleben musste. Gleichzeitig war mir bewusst, dass jede Entscheidung auch ihre Folgen hatte – quasi wie bei einem Flugzeug, welches nur minimal den Kurs ändert und plötzlich an einer ganz anderen Stelle landet.

Das Beste aus den Zwanzigern machen

Heute wünsche ich mir mit Ende zwanzig als Studentin zwar manchmal meine finanziellen Freiheiten zurück, aber mir ist vor allem eins bewusst geworden: Geld ist für mich zweitrangig, denn Zeit lässt sich nicht zurückkaufen. Außerdem habe ich feststellen müssen, dass das soziale Ansehen oder beispielsweise die finanzielle Sicherheit bei den Menschen oder vielleicht auch mit dem steigenden Alter einen unterschiedlichen Stellenwert einnehmen und Menschen hierbei auch sehr differenziert reagieren.

Letztlich streben wir jedoch meist alle nach Erfolg, der uns erfüllt und nach sozialen Beziehungen, die unser Leben bereichern. Wir wollen eine Partnerin oder einen Partner, reisen, vielleicht eine Familie gründen oder ein Haus bauen. Vielleicht ist uns die/der richtige Partner*in aber auch nicht über den Weg gelaufen oder dank Tinder auf der Bildfläche erschienen. Manchmal sind wir in dieser digitalen vernetzt und doch so einsam. Die Zwanziger sind eine Phase, in der so viel endet und gleichzeitig so viel Neues beginnen kann.

Es existiert ein 7-Jahr-Zyklus, nach welchem sich der Mensch alle 7 Jahre in einer Wandlungsphase befindet. Erwachsenwerden ist meiner Meinung nach ein Reifeprozess, der aus schmerzhaften oder herausfordernden Lektionen, zerbrochenen Beziehungen, der Übernahme von Verantwortung und dem Scheitern in den unterschiedlichsten Lebensphasen resultiert. Die gesammelten Erfahrungen machen uns reifer und auch ein Stück weiser. Wir können aber nur an den Punkt gelangen, wenn wir Selbstwirksamkeit erfahren. Lasst uns die Konsequenzen unseres Handelns spüren und Entscheidungen treffen, lasst uns mit Menschen austauschen und von deren Erfahrungen lernen und lasst uns nicht weiter auf irgendwelche Zeichen warten. Nichts wie raus aus der Komfortzone, einfach mal Risiken eingehen, Pläne verwerfen, Gewohntes loslassen und Dinge anpacken. 

Für die Reise ist übrigens nicht viel Gepäck nötig. Lasst Belangloses zurück!

Mut und Entschlossenheit sind gute Begleiter.


Header Photo by Karim MANJRA on Unsplash

Nathalie Welle

Mein Name ist Nathalie Welle. Ich bin eine 27-jährige Medienmanagement-Studentin, die sich außerhalb des Master-Studiums dem Bloggen widmet.

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