Lücke im Lebenslauf: Kein Grund zur Sorge

Eine Lücke im Lebenslauf muss nicht zwangsläufig etwas schlechtes sein. Aus einem kurvigen Lebenslauf kann durchaus eine geradlinige Bewerbung werden. Denn wenn wir es realistisch betrachten, dann verläuft das Leben meist nicht linear. Und das ist auch meistens gut so! Solange man seine Entscheidungen erklären kann und im Zweifel einen vermeintlichen Nachteil auch als einen Vorteil auslegen kann, sollte man ruhig zu seinen Lücken im Lebenslauf stehen.

Lückenhafter Lebenslauf

Monolog:

„Was mein zukünftiger Arbeitgeber wohl denken wird, wenn ich mir eine kurze Auszeit nehme? Wie kann ich diese Lücke im Lebenslauf vorteilhaft darstellen? Gehört ein Auslandsaufenthalt zu einem idealen Lebenslauf? Wie rechtfertige ich mein abgebrochenes Studium oder die Kündigung meines Jobs bei meinem neuen Arbeitgeber?“

Wie kommt es zu der Lücke im Lebenslauf?

Fragen über Fragen plagen uns in der heutigen Zeit. Die sogenannten Generationen Y und Z stellen sich diese Fragen vermutlich viel eher als die Generationen unserer Eltern. 

Wir leben in einer Welt des Überflusses. Nicht nur in Bezug auf Lebensmittel oder materiellen Güter, sondern auch im Hinblick auf unsere Bildung, unseren Partner und Job. Es fängt bereits in unserer Kindheit an. Damals mag der ein oder andere von uns, zwei oder drei Spielzeuge zu viel besessen haben, welchen man gar keine oder zumindest nur anfänglich Aufmerksamkeit schenkte. Ich möchte mich jedoch auf eine Zeit nach dem Schulabschluss besinnen, in welcher man aktiv vor die Wahl gestellt wurde, welchen Weg man gehen möchte.

Die Sorge um die Lücke im Lebenslauf – Das erste Mal ungeplant „planlos“

Die Zeit nach dem Schulabschluss ist bei vielen ein Wendepunkt, an welchem sie das erste Mal „planlos“ sind. Kurzum musste ich mir nach meinem Abitur eingestehen, dass ich weder ein festes Ziel vor Augen hatte, noch eine Orientierung, wo mein Weg zukünftig genau hinführen sollte. Mit meinen zarten 18 Jahren wusste ich mir an diesem Punkt auch nicht wirklich zu helfen. Später entschloss ich mich für einen Weg den immer noch viele junge Erwachsene nach ihrem Schulabschluss einschlagen. Letztendlich war es bei mir kein FSJ, Zivildienst oder Work & Travel, sondern ein Au Pair Jahr, welches ich in den Vereinigten Staaten verbrachte. Zusammenfassend war es ein sehr lehrreiches Jahr. Leider blieb die bahnbrechende Erkenntnis, was meine Zukunft anbelangt, aus. Ich wusste nur eines: einen Job mit Kindern lasse ich wohl eher bleiben.

„Wieso wissen denn alle außer mir, was sie einmal aus ihrem Leben machen wollen?“

Der Großteil meines sozialen Umfeldes hatte zu diesem Zeitpunkt bereits ein Studium aufgenommen und hatte, meiner Meinung nach, seinen Weg gefunden. Dies verursachte seinerzeit in mir eine Art von Druck. Schließlich fragte ich mich: „Wieso denn alle außer mir wissen, was sie einmal aus ihrem Leben machen wollen?“ Schon an diesem Punkt im Leben wird Erfolg sehr oft mit einem lückenlosen Lebenslauf verknüpft, welcher bestenfalls mit Jobs mit Top-Arbeitgebern gespickt ist. Dies war zumindest bei mir der Auslöser meines Druckempfindens. Ich hatte Angst eine falsche Entscheidung zu treffen, welche sich in irgendeiner Art und Weise negativ auf meine Zukunft auswirken könnte. Letztendlich entschied ich mich für ein Studium, welches mich breit ausbildete und in welchem ich verschiedene Interessen einbringen konnte. Dies möchte ich allerdings nicht weiter ausführen.

Viele Wege führen zum Ziel

Es geht mir viel mehr um die Tatsache, dass eine große Anzahl an Menschen nicht weiß, wo sie im Leben genau hin will. Dabei spielt es keine Rolle, in welchem Lebensabschnitt man sich befindet oder wie alt man ist. Es gibt immer Menschen, die nicht genau wissen, wo sie hinwollen, sich neu orientieren oder andere Ziele verfolgten als diejenigen, die sie ursprünglich anvisiert hatten. 

An dieser Stelle würde ich gerne ein Zitat von Tolkien einbringen, welches meiner Meinung nach sehr zutreffend ist, nämlich:

Not all those who wander are lost[…]”

  J.R.R. Tolkien. 

Was ich damit sagen möchte ist: Unser Leben gleicht einer großen Vielzahl an Wegen. Viele Menschen sind „Wanderer“, die auf dem Weg eine Pause einlegen oder etwa einen Gipfel nach dem anderen erklimmen. Und nicht jeder, der vom eigentlichen Weg abkommt, eine Pause macht oder einen anderen Weg beschreitet, ist verloren.

Zusammenfassend bedarf es nicht immer einem lückenlosen Lebenslauf, um erfolgreich zu sein oder als erfolgreich zu gelten. Meiner Meinung nach sollten die Querdenker, deren Leben vielleicht nicht immer linear verlief und deren Lebenslauf auch aus Lücken resultiert, viel mehr Anerkennung in unserer Gesellschaft erlangen. Denn genau solche Menschen, kluge Köpfe, die anders denken und Visionen haben, werden in Zukunft gefragt sein und diese Potenziale sollten wir auch ausnutzen und nicht etwa als Schwäche betrachten. Jeder Einzelne von uns ist für seinen eigenen Weg verantwortlich und sollte hierfür nicht verurteilt werden. Und egal, was die anderen sagen oder denken, letztendlich ist jeder von uns seines Glückes Schmied.

In dieser schnelllebigen Welt voller Veränderungen ist die Rückbesinnung auf das, was wir wirklich wollen immer wichtiger.

Es geht darum, ein selbstbestimmtes Leben zu leben und der oftmals kritischen Gesellschaft mit Mut, Stärke und Überzeugungskraft gegenüberzustehen. Konstruktive Begegnungen, offene Kommunikation und eine zielführende Weiterentwicklung können uns den Sinn in unserem Handeln erkennen lassen und ein inneres Gleichgewicht herstellen. 


Bist du auf der Suche nach dem Sinn der Arbeit?

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Lücke im Lebenslauf

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Nathalie Welle

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